Goslar

Dorloff zieht zurück: Kein neuer Finanzfachbereich in der Verwaltung

03.03.2010
Von Frank Heine

GOSLAR. Die Arbeit im Rathaus wird vorerst nicht neu organisiert: Wie Sprecherin Susanne Roßdeutscher am Mittwoch bestätigte, hat die Verwaltung ihre Vorlagen zurückgezogen und will die „Situation neu bewerten“. Das muss sie auch: Mit Manfred Dorloff, dem Leiter des städtischen Rechnungsprüfungsamtes, steht die zentrale Figur der Planungen nicht mehr zur Verfügung.

Dorloff, der in seiner bisherigen Funktion maßgeblich an der Aufarbeitung der Goslarer Finanz-Missstände mitgewirkt hat und für den Prüfbericht vom 15. Dezember 2009 verantwortlich zeichnet, sollte nach Vorstellung der Verwaltungsspitze ab 1. April Leiter eines neuen Fachbereichs Finanzen werden.

Begründung für die Ausgliederung und Aufwertung der Aufgabe: „Eine zeitnahe funktionale, personelle und fachliche Stärkung der Kämmerei (ist) dringend erforderlich.“ Die mühsame Doppik-Einführung und die noch bevorstehende Erstellung einer Konzernbilanz, die die Stadt-Töchter einschließt, wurden in diesem Zusammenhang genannt.

Das Vorhaben hatte Oberbürgermeister Henning Binnewies (SPD) vor Wochen öffentlich vorgestellt – warum der Rückzieher? Zum einen sperrte sich die Politik, die im Ausschuss nur über das Modell, nicht aber über den Namen Dorloff diskutieren wollte und alles Weitere in den nicht öffentlichen Teil schob.

Christian Rehse (FDP) wollte Ersten Stadtrat Klaus Germer (SPD) nicht aus der Verantwortung entlassen und sah ihn – „als B3-Kraft nur für Forst und Stadtwerke“ zuständig – nicht ausgelastet.

Anke Berkes (SPD) sprach sich für ein hierarisch flacheres Projektmanagement aus. CDU, Grüne, Linke und Bürgerliste zeigten ebenfalls wenig Sympathie für eine Dauerlösung mit einem weiteren Fachbereich in einer schrumpfenden Stadt. Auf der anderen Seite macht jetzt aber auch Dorloff nicht mehr mit. Er selbst wollte – und durfte – am Mittwoch keine Stellungnahme abgeben.

Gedruckte GZ: Welche mutmaßlichen Gründe Dorloff zum Rückzieher veranlassten, lesen Sie in der Donnerstag-Ausgabe.

drucken versenden Leserbrief schreiben
 

Kommentare

Die Kommentare geben nicht die Meinung der Zeitung wieder. Sie sind Einzelmeinungen der Leser, keine repräsentative Auswahl.


Wolle42 schrieb am 04.03.2010 14:03

Herr Dorloff hat mit Sicherheit keine Lust, sich in das Finanzdebakel der Herren Binnewies und Germer hineinziehen zu lassen. Das kann man verstehen, denn es wäre tatsächlich dazu gekommen. Ich frage mich nur immer, was bei der Doppik-Einführung so problematisch ist. Alle privaten Unternehmen arbeiten seit Jahrzehnten mit der Doppik. Einem B3-Beamten mit rund 6.600 Euro im Momat kann man doch zumuten, mehr zu tun als nur Forst und Stadtwerke. Das schafft auch einer mit A11 und 3.200 EUR im Monat. Was soll denn auch schon wieder eine Neuorganisation der Stadtverwaltung. Da hat man in den letzten 15 Jahren schon genug umorganisiert. Kostet jedesmal ein ordentliches Sümmchen Steuermittel. Aber es mussten ja auch immer einige Genossen in der Verwaltung auf höherwertige Posten geschoben werden.

Diesen Kommentar der Redaktion melden

Rotenburg2 schrieb am 04.03.2010 23:15

Hallo Wolle42, ich glaube da bist Du ein wenig desinformiert. Viele Kommnen haben erhebliche Probleme mit der Einführung der Doppik. Google mal bei der Stadt Uelzen.

Diesen Kommentar der Redaktion melden

KlaRo schrieb am 05.03.2010 12:07

@Rotenburg2: Wenn eine Verwaltung Probleme hat eine Aufgabe zeitnah zu lösen hat sie eindeutig kein Fachpersonal! Ergo: Fachkompetentes Personal einstellen, unfähiges Personal entlassen, besonders wenn es sich um B3-Kräfte und höher handelt!

Diesen Kommentar der Redaktion melden

liesel_58 schrieb am 05.03.2010 14:46

In der freien Wirtschaft ist das Doppik-System an der Tagesordnung, und macht dort sicher auch Sinn. Durch die Einführung der doppischen Haushaltsführung in den Kommunen sollen diese effizienter arbeiten. Im Gegensatz zur Kameralistik soll sie den Ressourcenverbrauch von Ertrag und Aufwand genauer abbilden und somit einen besseren wirtschaftlichen Gesamtüberblick ermöglichen. Eine öffentliche Verwaltung ist aber kein Wirtschaftsunternehmen und wird es nie sein bzw. hat gesetzliche Pflichtaufgaben und muss diese auch vorhalten, selbst wenn sie kein Geld einbringen. Und was bei der Privatisierung von öffentlichen Aufgaben herauskommt wissen wir ja: Höhere Gebühren usw.

Diesen Kommentar der Redaktion melden

Wolle42 schrieb am 06.03.2010 14:03

Hallo Rotenburg2, ich habe mich auf der Internettseite der Stadt Uelzen informiert. Nach dieser Aussage ist die Umstelleung Ende 2003 abgeschlossen gewesen. Schwierigkeiten werden aber auch dort weiter bestehen. Denn, wie liesel_58 treffend bemerkte, ist eine öffentliche Verwaltung kein Wirtschftsunternehmen. Nach meiner Auffassung ist die Kameralistik in der öffentlichen Verwaltung sinnvoller. Die Landesverwaltung hatte auch versucht , die doppische Haushaltsführung einzuführen. Es aber selbst nicht vollzogen, da nach monatelangen Erhebungen festgestellt wurde, das Verwaltungsarbeit kaum monetär messbar ist. Aber, man hat bei der Stadt Goslar noch nicht einmal sinnvolle und ergebnisorientierte Versuche gemacht. Da hätte sich ein B3-Beamter vielleicht doch einmal einer Einweisung bei der Stadt Uelzen unterziehen sollen. Das hätte aber persönliche Arbeit bedeutet, das mag er aber nicht.

Diesen Kommentar der Redaktion melden