Bad Harzburg

Harzburger Rennverein hofft auf neue Struktur des deutschen Galoppsports

09.03.2010
Von Egon Knof

Harzburger Rennverein hofft auf neue Struktur des deutschen Galoppsports

BAD HARZBURG. Dem deutschen Galopprennsport geht es schlecht. Sehr schlecht! Doch jetzt sendet der „Patient“ endlich wieder Lebenszeichen. „German Racing“ heißt die Zauberformel. Dahinter verbirgt sich eine neue Strukturreform unter dem Motto: „Gemeinsam investieren und profitieren“.

Es ab Zeiten, da liebten die Leute Pferderennen, sie strömten auf die Rennbahn, sorgten für große Wettumsätze. Doch irgendwann drehte die Spirale ins Negative. Die Zahl der Pferde, der Rennen, der Preisgelder und Wettumsätze ging dramatisch zurück.

Nur im Direktorium für Vollblutzucht und Rennen (DRV) in Köln schien dies keiner zu merken. Innovationen, neue Anreize für Züchter, Besitzer, Aktive, Zuschauer, Sponsoren und Internet-Wetten? – Fehlanzeige. Mit dem Startschuss für „German Racing“ ist der Optimismus in den deutschen Galopprennsport zurückkehrt. „Es ist vielleicht unsere letzte Chance“, sagt Wilhelm Baumgarten, Präsident des Harzburger Rennvereins (HRV). Die Zuversicht hat einen Namen: Albrecht Woeste. „Wir machen Dampf!“, hatte der Düsseldorfer bei seinem Amtsantritt als Präsident des DRV versprochen. Statt auf externe Geldgeber zu setzen, wurden alle am Galopprennsport Beteiligten in die Pflicht genommen und eine neue Gesellschaft mit Namen „German Racing“ gegründet. In einer bemerkenswerten Solidaraktion konnten Interessenten Anteile à 1.000 Euro erwerben. Eine Mindestsumme von vier Millionen Euro waren als Startkapital aufgerufen. Am Ende der Zeichnungsfrist im Januar war die Vorgabe erreicht. Inzwischen sind die ersten Weichen für die neue Struktur gestellt.

Der DRV wird 40 Prozent an dem Online-Wettanbieter „racebets.com“ erwerben. Darüber hinaus soll der Aufbau einer Online-Wettplattform mit Eigenvertrieb unter dem Namen „German Top Bets“ forciert werden. „Die Wettumsätze im Internet sind weiter steigend“, spricht HRV-Chef Baumgarten von der „Wette der Zukunft“. Auf den Weg gebracht ist auch eine einheitliche, bundesweit angelegte neue Werbestrategie unter dem Titel „Corporate Design“.

Wie sich der 74-Jährige Woeste in die Mammut-Aufgabe „Strukturreform“ hineinkniet, „ist geradezu sensationell, sein Optimismus absolut ansteckend“, stellt Baumgarten fest. „Es macht zurzeit richtig Spaß“, ist die Aufbruchstimmung unter den Galoppern auch ein „echter Motivationsschub“ für den Rennvereinspräsidenten. Auf lange Sicht soll „German Racing“ das finanzielle Risiko der Rennvereine minimieren und höhere Einnahmen und Rennpreise garantieren. Auf die Bad Harzburger Rennwoche 2010 werde die neue Struktur aber „wohl noch keine gravierenden Auswirkungen haben“, glaubt Baumgarten, der allerdings fest davon ausgeht, dass die jetzt vom DRV eingeleiteten Maßnahmen „ein Schritt in die richtige Richtung“ sind.

drucken versenden Leserbrief schreiben