Braunlage

Krieg der Sterne um das Wurmberg-Projekt

04.01.2012
Von Werner Beckmann

BRAUNLAGE. Beide Projekte haben eines gemeinsam: sie wollen (unterschiedlich dimensioniert) mehr Gäste in den Harz ziehen. Womit die Gemeinsamkeiten enden, ein „Lagerkampf“ touristischer Weltanschauungen beginnt. Der Wurmberg-Ausbau zum Wintersport-Magneten stößt auf Widerstand. Auch durch den Verein Sternwarte St. Andreasberg.

Die Sternenfreunde aus der Bergstadt, die seit dem 1. November Ortsteil der neuen Stadt Braunlage ist, legten wie mehrere Naturschutzverbände Widerspruch gegen den Bebauungsplan 135 „Wurmberg“ ein. Der Tenor der Proteste gegen den Ausbau des alpinen Skigebietes ist dabei annähernd stets der gleiche und damit auch ein Plädoyer für „sanften“ und nachhaltigen Tourismus. Für diese Variante steht auch der Verein Sternwarte, der unter anderem eine Anerkennung der Harzer Höhen als Dark Sky Park anstrebt.

Ein großer Stolperstein wären aus Sicht des Vereins ausgebaute und künstlich beschneite Skipisten, die vor allem nachts beleuchtet werden könnten. Dies sei, so die Sternwarten-Förderer, für ihre Bemühungen kontraproduktiv sowohl um den Bau einer Sternwarte wie auch um die Anerkennung als Dark Sky Park.

Für das touristische Braunlage und damit letztlich für die gesamte Stadt ist der Wurmberg als höchster Gipfel Niedersachsens ohne Frage der „Brot- und Butter-Berg“. Mit dem Wintersport-Ausbau sind parallel auch Attraktionen für den Sommer geplant, die zu einer besseren Auslastung der Wurmberg-Seilbahn wie der Gästebetten im gesamten Jahresreigen beitragen sollen.

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Kommentare

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Rudolf Dr. Thomas schrieb am 04.01.2012 20:51

Ich habe noch gar nicht gewusst, dass die Annerschbarricher nun auch schon "denglisch" schreiben können! Dr. Rudolf Thomas

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Schmidt Holger schrieb am 04.01.2012 21:39

Seit ca 15 Jahren weiß in Braunlage und Umgebung jeder, das um den Tourismus wieder zu aktivieren, endlich etwas getan werden muß. Nun nachdem endlich was sinnvolles und vor allem nachhaltiges inklusive des vorhandensein der Finanziellen Mittel getan wird kommen wieder diese ewigen Nörgler und nicht davon anhängige aus Ihren Löchern und finden irgeneinen Wurm oder Käfer der geschütz werden soll. Wer schütz denn die die davon Abhägig sind vor diesen ewigen Nörglern die vor jahrtzenten auch von und durch den Tourismus nicht schlecht gelebt haben und nun ausgesorgt haben?. Wann setzt sich in Deutschland endlich mal die Demokratie sprich Mehrheit wieder durch? Habe selber über 22 Jahre in Brlg. gelebt und habe noch die teilweisen goldenen Zeiten mitgemacht. Hoffentlich lassen sich die Verantwortlichen diesmal nicht beeindrucken und setzten diese gute Idee um dann wird wieder was aus Brlg.und seinen dazugehörigen Orten!!

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Rainer Wittmann schrieb am 04.01.2012 23:17

So sehr ich das Sternwarte-Projekt auf der Jordanshöhe auch begrüße, so lächerlich halte ich die Einwände. Die Skipisten werden ja nur an wenigen Tagen beleuchtet. Die dadurch verursachte Lichtverschmutzung dürfte sich also in engen Grenzen halten. Das Wurmberg-Projekt ist das EINZIGE große Projekt im Harz, daß ohne jegliche Subventionen auszukommen scheint. Das sollten wir uns deshalb von ortsfremden Sektierern nicht kaputtmachen lassen. Das Land muß endlich den Nationalpark in seine Schranken verweisen. Das gilt auch für den Kleinen und Großen Sonnenberg, wo der NP den Lift-Betreiber mit allen Mitteln kaputtzumachen versucht.

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Andreas Forster schrieb am 05.01.2012 15:06

Den Ärger über jede unnötige Lichtverschmutzung kann ich als begeisterter Sternegucker im Prinzip nachvollziehen. Die öffentliche Kritik des Vereins Sternwarte St. Andreasberg am Wurmberg Projekt kann ich aber in diesem speziellen Fall nicht gutheißen. Die Wintersportsaison dauert nur 4 Monate Wintersportsaison und beleuchtet wird nur an einzelnen Tagen der Wochen. Wo bleiben die Proteste über den bereits seit Jahren bestehenden beleuchteten Nachtskilauf am Matthias Schmidt Berg in St Andreasberg und der Rathauswiese in Braunlage? Oder gilt die Angst eher, dass bei einem Erfolg des Wurmberg Projekts in den Hotels, Pensionen und Ferienwohnungen bald wieder mehr Räume beleuchtet wären? @Wittmann das sture Agieren des Nationalparks hat bereits zu einer Gegenbewegung bei den Ländern geführt, z.B. die Genehmigung des Fahrradrennens auf den Brocken an den Protesten des NPs vorbei. Entweder der NP wird flexibler oder er wird zurechtgestutzt.

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Christian Reinboth schrieb am 09.01.2012 15:27

Den Widerspruch der Sternwarte halte ich als Vereinsmitglied für richtig - gerade die Wintermonate, in denen hier beleuchtet werden soll, sind für die Amateurastronomie aufgrund der früh einsetzenden Dunkelheit von großer Bedeutung. Wie etwa soll ich Schüler für den nächtlichen Himmel begeistern, wenn ich erst um 22:00 oder 23:00 Uhr mit Beobachtungen beginnen kann? Hinzu kommt, dass der Harz eines von nur drei Arealen in ganz Deutschland ist, die so gute Beobachtungsbedingungen bieten, dass sie für eine Anerkennung als Dark Sky Park in Frage kämen - ein Vorhaben, dass durch eine (auch zeitlich befristet betriebene) Flutlichtanlage erheblich erschwert würde. Sicher verdienen auch diejenigen Verständnis, die sich hier jahrelang ehrenamtlich engagiert haben, und den angedachten Antrag nun durch die Beleuchtungspläne torpediert sehen. "Nacktrodeln" und "Nacht-Skifahren" kann man auch anderswo - viele Beobachtungsorte von der Güte Sankt Andreasbergs gibt es dagegen nicht mehr.

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... ... schrieb am 09.01.2012 18:07

Die Normale Glühbirne abschaffen und an anderer Stelle die Energie zum Fenster raus werfen Das nenne ich ein Paradebeispiel für unsere Politik!

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Rainer Wittmann schrieb am 09.01.2012 22:32

Die hoffentlich irgendwann kommende Sternwarte in allen Ehren, aber ihre Bedeutung für den Harz ist gemessen am Wintersport vernachlässigbar. Wenn eine Nachtbeleuchtung kommt, dann wahrscheinlich nur auf der Abfahrt hinunter zum Kaffeehorst, denn von dort ist der Wurmberg mit Autos am besten zu erreichen. Der Kaffehorst ist aber auf der Ostseite des Wurmbergs, also an der von Andreasberg abgewandten Seite. Ich kann mir deshalb nicht vorstellen, daß von dort irgendwie eine meßbare Lichtverschmutzung für die Sternwarte ausgeht. Im übrigen würde es der Akzeptanz der Sternwarte schaden, wenn sie sich weiterhin in diese Diskussion auf diese Weise einmischt.

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Christian Reinboth schrieb am 10.01.2012 09:05

Rainer Wittmann: Zunächst einmal ist festzustellen, dass zwar die Förderung des Astrotourismus ein wesentliches, längst jedoch nicht das einzige Ziel des Sternwarten-Projektes (Kultur, Bildung) ist, von daher besteht keine Notwendigkeit, sich mit dem Wintersport zu messen. Die Vermutung, dass die Flutlichtanlage aufgrund ihrer Lage an der Ostseite des Wurmberges nicht zur Lichtverschmutzung über Andreasberg beitragen würde, ist leider nicht richtig - selbst weit entfernte Lichtquellen wie etwa der Brocken oder die Beleuchtung von Nordhausen beeinträchtigen noch die Sichtbedingungen über der Bergstadt - wenn auch nur geringfügig. Die Beeinträchtigung durch die nun geplante Anlage wäre jedoch deutlich größer. Und da mit der Aberkennung der "Akzeptanz" auch schon von anderer Seite gedroht wurde noch dieses: Auch die Mitglieder jedes anderen Vereins würden sich gegen eine solche Einschränkung ihres Hobbys zur Wehr setzen - warum sollten ausgerechnet Astronomen dies nicht tun?

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Uwe Tröger schrieb am 10.01.2012 10:26

Irgendwann sitzt Du einmal in Deinem Auto, fährst von Braunlage nach Bad Harzburg, als auf einmal aus dem Gebüsch etwas auf die Straße springt. Nein, es ist kein Reh, ist ist ein schwarz gekleideter und maskierter "Dark Sky" Aktivist, der Dir sodann mit einem kleinen Hämmerchen die Scheinwerfer Deines Autos zertrümmert. "Illegale Lichtverschmitzung, gibt's ja gar nicht, sowas! - Wo kommen wir denn da hin, wenn jeder hier seine Photonen sinnfrei und ungehemmt durch die Gegend huschen läßt, unfassbar!" - Nun ist es allerdings so, dass der Mensch das Licht zum Leben braucht. Wir brauchen Licht um aktiv zu sein. Hab' ich etwas gegen das Licht, hab' ich etwas gegen Aktivität, hab' ich etwas gegen das Leben. Für solche Leute gibt es eine Lösung: Ein Spaten, eine freie Fläche in der Landschaft, ein Loch gebuddelt, 2m tief, reinlegen und zuschaufeln lassen. - Kann man sich überlegen: Sich selbst begraben, oder die Zukunft Braunlages...

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Christian Reinboth schrieb am 10.01.2012 10:40

Uwe Tröger: Sie sollten sich vielleicht die Zeit nehmen, sicht erst einmal in Ruhe über die Lichtverschmutzungs-Problematik zu informieren, bevor Sie einen derartigen Unfug wie "Hab ich etwas gegen Licht, hab ich etwas gegen das Leben" ins Netz zu stellen. Lichtverschmutzung nimmt nicht nur den Astronomen den Blick auf die Sterne, sie stört auch die natürlichen Lebensrythmen vieler nachtaktiver Lebewesen - vom Falter über den Zugvogel bis hin zur im Nationalpark Harz geschützten Fledermaus - erheblich, sie ist vielfach mit signifikanter Energieverschwendung - und damit auch CO2-Einträgen - verbunden und beeinträchtigt nicht zuletzt auch die menschliche Gesundheit - nicht ohne Grund stuft die WHO Nachtarbeit als cancerogenen Faktor ein. Via Google Scholar lassen sich leicht dutzende wissenschaftliche Veröffentlichungen finden, in denen man seine diesbezüglichen Kenntnisse vertiefen kann - an dieser Stelle sind ja lediglich 1.000 Zeichen gestattet...

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Andreas Forster schrieb am 10.01.2012 16:39

@Christian Reinboth: Ich kenne die Problematik der Lichtverschmutzung sympathisiere z.T. mit Ihrem Anliegen. Wir wissen beide doch auch ganz genau, das die Dunstglocken der Zentren und Wolkenbildung an den Bergen viel schlimmer sind als ein paar abgewandte Lichter am Kaffeehorst die nur zeitweise in wenigen Monaten an sind. Daher halte ich die Kritik für überzogen.

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Uwe Tröger schrieb am 10.01.2012 16:56

Lieber Herr Reinboth, "Unfug" ist eine sehr relative Sache. Für mich fängt die allein schon beim Begriff "Lichtverschmutzung" an (müsste richtig ja wohl Dunkelheitsverschmutzung heißen, oder?). Es tut mir ja auch furchtbar leid, dass ich mit meinen "Lichtemissionen" die Dunkelheit irgendwelcher Insekten störe. An der nächste Ecke wartet der nächste Weltretter, der mich aufklärt, dass die Luftverwirbelungen, die ich beim Gehen erzeuge, die Flugbahn irgendwelchen Pollen signifikant beeinflussen... - Was soll ich also tun? Mich still im Dunkeln unter eine Tanne setzen und auf die Erlösung warten? - So ein Nationalpark Harz ist ja eine feine Sache. Aber wenn man damit (bzw. dem Touriosmus) nicht auch so ein klein bißchen Geld verdient, dann können wir den Laden bald ganz abschließen. Und da müssen wir uns fragen: "Wollen wir das?" - Die Sternengucker (und der NaBu) fänden das vielleicht Klasse. Ich nicht.

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Christian Reinboth schrieb am 10.01.2012 17:36

Sindy Kerzenan: Das Wernigeröder Schloss wird meinem Erachten nach deutlich stärker beleuchtet, als dies nötig wäre, um den gewünschten "Blickfang-Effekt" zu erzielen - wie überhaupt in Wernigerode an vielen Ecken zuviel beleuchtet wird. Der ökologische Schaden, der hierdurch angerichtet wird, ist jedoch mitten in der Stadt nicht ganz so groß, wie in unmittelbarer Angrenzung an ein Waldareal im Nationalpark, auch wenn es durchaus schön wäre, wenn auch in Wernigerode weniger beleuchtet würde - wofür ich mich hier vor Ort im Rahmen meiner Möglichkeiten auch schon eingesetzt habe.

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Christian Reinboth schrieb am 10.01.2012 17:41

Andreas Forster: Die größte Einzelbeeinträchtigung, die sich in Sankt Andreasberg findet, ist die Lichtglocke aus Nordhausen - nur kann man gegen die vergleichsweise wenig tun. Ich sehe aber keinen Grund, warum man sich nicht dennoch gegen zusätzliche Beleuchtungsvorhaben vor Ort aussprechen sollte. Geplant sind meines Wissens nach zudem 15 Flutlichtmasten - und von daher leider mehr als nur ein "paar abgewandte Lichter". Hinzu kommt, dass die Gegend um Sankt Andreasberg die reale Chance hätte, eine IDA-Zertifizierung zum Dark Sky Park zu erhalten - eine Option, die bundesweit nur zwei oder drei weiteren Gemeinden offensteht. Die Chancen, einen solchen Antrag erfolgreich abschließen zu können, würden durch eine helle Lichtanlage in unmittelbarer Nähe auf jeden Fall erheblich geschmälert - auch wenn die nur temporär betrieben wird. Und aus amateurastronomischer Sicht wäre das natürlich auf jeden Fall ein Verlust...

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Christian Reinboth schrieb am 10.01.2012 17:50

Uwe Tröger: Der Begriff Lichtverschmutzung leitet sich vom englischen light pollution ab und ist in der deutschen Sprache in der Tat mißverständlich, weshalb Experten immer wieder darum bitten, statt dessen doch den Begriff Lichtsmog zu verwenden. Da sich der Lichtverschmutzungs-Begriff nun aber dennoch eingebürgert hat und auch von der Mehrzahl der Journalisten so verwendet wird, eignet er sich für die öffentliche Diskussion sicher besser als die möglichen Alternativen. Und ja - in der Tat stören Lichtemissionen nicht nur die Lebensrythmen von Insekten, sondern auch von zahlreichen anderen nachtaktiven Tierarten, deren innere Uhr an einen Tag-Nacht-Wechsel angepasst ist. Das mag in Siedlungszentren irrelevant sein, in einem Nationalpark aber sollte dieser Umstand Beachtung finden - auch und gerade vor dem Hintergrund der Tourismusförderung. Denn wer mit dem Nationalpark-Image um Besucher wirbt, sollte sich auch um den Schutz des Nationalparks bemühen - oder nicht?

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Christian Reinboth schrieb am 10.01.2012 20:21

Sindy Kerzenan: Nun bin ich ja kein gebürtiger Wernigeröder sondern habe den Großteil meines Lebens im schönen Westharzer Ferienort Walkenried verbracht, von daher sind mir die schwierigen Probleme im Hinblick auf das Fördergefälle zwischen Ost- und Westharz gut bekannt. Und auch der Sternwarten-Verein hat natürlich damit zu kämpfen, dass es ein paar Meter weiter bessere Förderbedingungen gäbe. Ich sehe allerdings nicht, was der Verweis auf Schierke mit der Kritik am Wurmberg-Vorhaben zu tun hätte - nur weil in Schierke gebaut werden soll - außerhalb des Landschaftsschutzgebietes - was ja schon mal einen großen Unterschied zum Wurmberg-Vorhaben darstellt - kann man das Wurmberg-Projekt nicht kritisieren? Ich bin mit dem Schierke-Projekt gut vertraut und habe auch hier meine Zweifel bezüglich der Umweltverträglichkeit einzelner Maßnahmen - aber warum sollte mich das davon abhalten, auch das Wurmberg-Vorhaben kritisch zu betrachten?

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Christian Reinboth schrieb am 11.01.2012 09:04

Sindy Kerzenan: Bislang sind von den 40 für Schierke angedachten Millionen lediglich 8 genehmigt, wobei der Löwenanteil in zwei stark sanierungsbedürftige Brücken und den Ausbau einer Straße mitten im Ortsgebiet Schierke fließt. Diese Baumaßnahmen berühren also noch in keinster Weise irgendwelche Belange des Naturschutzes. Auch in Schierke haben übrigens die Umweltschutzverbände Änderungen an der Bebaungsplanung, insbesondere im Hinblick auf die angedachte Abholzung eines größeren Waldstücks zur Schaffung einer Parkfläche, angemeldet und sich erfolgreich dafür eingesetzt, dass die Planungen entsprechend abgeändert wurden. Insofern ein aus meiner Sicht positiver Präzedenzfall, wenn es um die Kritik von NABU und BUND am Wurmberg-Projekt geht. Aus eigener Erfahrung muss allerdings auch gesagt werden, dass die Planungen für Schierke ungleich sauberer und fehlerfreier durchgeführt wurden, als die leider recht verquaste und widersprüchliche Bauplanung für den Wurmberg.

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Andreas Forster schrieb am 11.01.2012 15:42

@Christian Reinboth: Sie haben doch Wirtschaftsinformatik studiert, dann kennen Sie doch den Grund, warum man sich nicht gegen sehr geringe selten auftretende Belastungen (vor Ort) aussprechen sollte, sondern sich den größten Fehlerquellen (Nordhausen u.a.) widmen sollte. Außerdem stören die Weihnachtsbeleuchtungen an den Eingängen der Hotels und an den Straßen der Orte im Harz länger und intensiver als die paar Leuchten am Kaffeehorst. Ich halte daher Ihre Kritik und die des Vereins Sternwarte für überzogen. Ihre Darstellung zum Projekt Schierke 2000 ist mißverständlich: Für das Projekt Schierke wurden sehr große Teile der umliegenden Landschaft aus dem Nationalpark Harz herausgelöst. Diese wurden und werden bebaut. Ich bin mir nicht sicher, ob NABU und BUND ihre Sicht teilen, dass das Projekt Schierke als positiver Präzedenzfall zu werten ist. Das Projekt Schierke ist dennoch alternativlos, wenn man nicht willens ist den Ort komplett aufzugeben.

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Christian Reinboth schrieb am 11.01.2012 19:23

Andreas Forster: Wenn ich dazu komme, werde ich morgen oder übermorgen einen längeren Artikel zum Thema auf meinem Blog veröffentlichen, in dem ich auch anhand von Fotos klar darlegen kann, dass auch temporäre Skipisten-Beleuchtung einen ganz erheblichen Einfluss auf die regionale Lichtverschmutzung haben kann (wir reden hier immerhin von mindestens 40 Flutlichtmasten, wie ich gerade erst heute Nachmittag erfahren habe). Falls man hier Links posten darf, werde ich einen solchen dann gerne hier hinterlegen. Das Projekt Schierke 2000 gibt es übrigens nicht mehr, wir reden hier inzwischen bereits vom Nachfolgeprojekt. Die Aussage vom positiven Präzedenzfall bezog sich im übrigen nicht auf das Projekt selbst, sondern auf die Tatsache, dass Einsprüche von BUND und NABU zu signifikanten Änderungen an der Bauplanung (insbesondere im Hinblick auf die ursprünglich angedachte Parkplatz-Lösung) geführt haben, was ja durchaus als Erfolg für die Umweltschutzverbände zu werten ist...

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Christian Reinboth schrieb am 11.01.2012 19:27

Sindy Kerzenan: Ihre Schierke-Verschwörungstheorie läuft ins Leere - ich gehe zwar mit Ihnen in der Feststellung konform, dass zwei Skizentren sich gegenseitig das Wasser abgraben würden und sich von daher langfristig vermutlich nur eines halten könnte, bin aber - entgegen Ihrer Annahme - keineswegs ein Verfechter des Schierke-Projekts, da ich auch hier erhebliche Probleme im Hinblick auf Umweltschutz und Finanzierbarkeit sehe. Wenn Sie möchten, werfen Sie doch mal einen Blick in mein Blog, dann werden Sie feststellen, dass ich bereits 2010 einen kritischen Artikel zum Schierke-Vorhaben verfasst habe: http://www.scienceblogs.de/frischer-wind/2010/11/von-parkplatzen-museen-und-politischen-prioritaten.php

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Andreas Forster schrieb am 11.01.2012 21:15

@Christian Reinboth: Wir wissen beide, dass das "Integrierte Ortsentwicklungskonzept Schierke", wie durch den Vertrag zur Eingemeindung Schierkes in Wernigerode vereinbart, das Nachfolgeprojekt von Schierke 2000 bzw. Schierke 2000 Plus ist. Dieses zentrale Versprechen an die Schierker Bürger muss eingehalten werden. Mit dem kleinen und großen Winterberg (der noch aus dem Nationalpark herausgelöst werden muss) bei Schierke wäre auch ein sehr schönes alpines Wintersportgebiet möglich. Ihre Einschätzung, daß sich zwei Skizentren langfristig nicht halten könnten, ist mit Blick in Richtung anderer Harzorte und anderer Deutscher Mittelgebirge nicht begründbar.

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Christian Reinboth schrieb am 12.01.2012 13:41

Andreas Forster: Noch ist die Finanzierung für Schierke nicht beschlossen - bewilligt sind erst mal "nur" die 8 Millionen Euro, die primär für dringend erforderliche Infrastruktursanierungen im Ort selbst ausgegeben werden. Angesichts der finanziellen Situation, in der sich unser Bundesland befindet, bezweifele ich, dass für größere Baumaßnahmen am Wurmberg tatsächlich Fördermittel in ausreichender Höhe aufgebracht werden können, von daher sind die diesbezüglichen Ideen derzeit eigentlich (auch bei den Verbänden) kein Thema. Was meine sonstigen Bedenken zum aktuellen Wurmberg-Vorhaben angeht, habe ich mich mit dem nachfolgend verlinkten Blogpost mal an einer Zusammenfassung versucht (Kommentare und Gegenmeinungen sind mir dort natürlich ebenso willkommen wie hier): http://www.scienceblogs.de/frischer-wind/2012/01/funf-gute-grunde-die-gegen-das-projekt-wurmberg-2015-sprechen.php

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Mani Meschgbu schrieb am 13.01.2012 07:36

Die 40 Mio. für das Ortskonzept Schierke beinhalten noch keinen Bau eines Skigebietes in Ri. Wurmberg. Ich widerspreche der Ansicht, dass ein zweites Skigebiet neben dem Wurmberg keinen Sinn ergibt. Es wäre kein 2. Skigebiet sondern eine Ergänzung an den besten Nord-Ost-Hängen für ein Skigebiet. Wäre der Widerstand des NP nicht, dann hätten die Wurmberbetreiber ihr Skigebiet an den schneesicheren Nordosthängen ausgebaut und nicht nach Süden. So wird man genötigt, ein Skigebiet mit erhöhten Beschneiungskosten energieaufwendig nach Süden auszubauen, was nicht unbedingt umweltgerecht ist. Umweltschützer sollten integral denken lernen, nicht nur ihre Prüde verteidigen, sondern auch hinsichtlich unabdingbarer touristischer Notwendigkeiten wie dem Skigebietesausbau umweltverträglich und demokratisch denken, unterstützen und handeln zu lernen. Das gilt auch für die Sternengucker - Euch bleiben genug Tage ohne zusätzliche Lichtverschmutzung.

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Christian Reinboth schrieb am 13.01.2012 10:07

Mani Meschgbu: In Natur-, Landschafts- und Wasserschutzgebieten in unmittelbarer Angrenzung an einen Nationalpark darf es meinem Erachten nach einfach keine unabdingbaren touristischen Notwendigkeiten geben. Hauptziel der Einrichtung solcher Schutzgebiete ist der Schutz der Natur und nicht die Förderung des Tourismus. Wenn sanfter Tourismus möglich ist, so dass jeder interessierte Bürger sich an der Natur erfreuen kann ist das wunderbar und sollte so weit wie möglich gefördert werden. Ganze Berghänge abzuholzen und künstlich zu beschneien und zu beleuchten um dann dort nachts Skifahren zu können sollte aber einfach nicht drin sein. Und soweit es die Sternengucker angeht - gehen Sie mal zu irgendeinem anderen Verein und fordern Sie von dessen Mitgliedern, dass sie ein paar Monate im Jahr auf die Ausübung ihres Hobbys verzichten - da dürfte vermutlich niemand begeistert sein...

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Andreas Forster schrieb am 19.01.2012 14:05

@Christian Reinboth: Für das geplante Skigebiet bei Schierke sollen die noch vorhandenen historischen Pisten reaktiviert werden. Zu diesem Zweck wurde das in Frage kommende Gebiet im Flächentausch und gegenseitigem Einvernehmen aus dem Nationalpark herausgelöst.

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